Das Ihagee Kamerawerk Dresden (1912 – 1996)

 

Im Jahr 1912 gründete der Niederländer Johan Steenbergen in Dresden die Industrie- und Handelsgesellschaft mbH. Die Firma produzierte fotografische Apparate und Bedarfsartikel. Nach dem Zusammenschluss mit der Firma des Kameratischlers Emil Englisch im Jahr 1918 hieß das Werk Ihagee Kamerawerk Steenbergen & Co. Die Gesellschafter waren Johan Steenbergen, Emil Englisch, Otto Diebel, Hugo Frauenstein, Konrad Koch, Emil Kirsch und Hermann Schubert. Ab 1923 wurde das neue Betriebsgebäude in Dresden-Striesen genutzt. In diesem Jahr...

 

...  beginnt Karl Nüchterlein seine Tätigkeit als Mechaniker im Betrieb. 1941 wurde das niederländische Betriebskapitals beschlagnahmt und am 1. Januar 1942 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Dem Firmengründer Johan Steenbergen blieb mit seiner jüdischen Frau am 15. Mai 1942 nur die Emigration in die USA.
Bei den Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 wurde das Werk völlig zerstört.

 

Zeitleiste

 

  • am 13. Mai 1912 als „Industrie- und Handelsgesellschaft mbH" in Dresden von dem Holländischen Kaufmann Johan Steenbergen gegründet
  • 1913 erfolgte die Gesellschaftsänderung in „Ihagee Kamerawerk GmbH"
  • 1918 Gesellschaftsänderung in „IHAGEE Kamerawerk Steenbergen & Co"
  • 1925 mehr als 1.000 Rollfilmkameras werden pro Arbeitstag Produziert
  • 1933 Vorstellung der Exakta 4x6,5 auf der Leipziger Frühjahrs messe
  • 1936 Karl Nüchterlein stellt mit der „Kine EXAKTA“ die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Welt auf der Leipziger Messe vor
  • März 1940 Kriegs bedingte Beendigung der Kameraproduktion
  • Juli 1945 Wiederaufnahme der Kameraproduktion
  • 1951 „Optik VEB" wird Treuhänder der Dresdner „Ihagee AG i.V."
  • 1960 Gründung des westdeutschen IHAGEE Kamerawerk in Frankfurt
  • 1963 Gesellschaftsänderung in „Ihagee Exakta Photo AG" , München
  • April 1963 Vorstellung der „Exakta real“ in München
  • 7. März 1967 Johann Steenbergen verstirbt mit 80 Jahren
  • 1967 Verschmelzung der „Ihagee-Exakta-Photo AG" in die „Ihagee AG" (Berlin-West)
  • 1968 Übertragung der Dresdner Ihagee AG i.V. in das Kombinat „VEB Pentacon"
  • 1973 Produktionsende der EXAKTA in Dresden
  • Oktober 1987 Produktionsende der EXA Ic
  • 1996 DIE OHG „Steenbergen & Co" wird gelöscht.

 


Kamera-Modellgeschichte

EXA-I

 

Die Entwicklung der EXA begann 1950. Sie war die kleinere Schwester der EXAKTA, der ersten 35mm SLR-Kamera vor dem 2. Weltkrieg. Die EXAKTA (Varex) war ein teures Spitzenprodukt und wurde aus Devisengründen hauptsächlich exportiert. Die EXA-Serie diente als preisgünstigere Variante, bei der die umfangreichen Zubehörteile, insbesondere auch die auswechselbaren Sucher und Objektive der EXAKTA-Modellen benutzbar sind. Die Exa besitzt einen Klappverschluss, bei dem der Reflexspiegel als erster “Verschlussvorhang” dient.

 

Die Serienproduktion der Exa begann 1951. Im Jahr 1952 wurden die bisherigen Blitzanschlüsse V und E als M und X bezeichnet sowie der bisherige schwarze Bajonettring aus Aluminium durch ein verchromtes Messingbajonett ersetzt. Etwa 1953 erhielt zunächst der Auslöser eine klappbare Auslösesperre und es wurden später genormte, schwarze Blitzbuchsen eingebaut.

 

 

 

 

Das Modell von 1961 besaß eine neue Frontplatte mit eingeklebtem schwarzen Exa-Schild (in Schreibschrift), sowie veränderten Suchereinsätzen. Lichtschacht und Prismeneinsatz waren zunächst mit dünnen schwarzen Aluminiumstücken beklebt, die im zentralen Teil mit hellen Streifen verziert waren. Später wurden die Aluminiumbezüge am Prismeneinsatz durch drei Lederstücke und am Lichtschacht durch ein Lederstück ersetzt.

 

Die Exa I (1962-1964) bekam ein verändertes Gehäuse und parallel dazu wurde ein neues Modell Exa IIa mit gleichen Gehäuseteilen gefertigt. An der Frontseite der Kamera war ein schwarzes Metallschild "EXA I" aufgeklebt. Statt des bisherigen Hebels für die Belichtungszeiten war ein Einstellrad (jetzt B, 1/30, 1/60, 1/125, 1/175) angebracht. Erst im Laufe der Produktion (etwa 1964) erhielten die Gehäuse Trageösen.

 

Im Herbst 1964 erschien die Exa Ia (bzw. VX 100). Der Filmtransport wurde verbessert, die Kamera erhielt den längst üblichen Schnellspannhebel. Da im Jahr 1967 der Prismeneinsatz verändert wurde ist bei älteren Apparaten dieser mit einer dreigeteilten Belederung und mit einteiliger Belederung erhältlich. Während der Produktionszeit der Exa Ia erfolgte die Übernahme der Ihagee durch Pentacon (1968-1970). Diese Tatsache erklärt das Vorhandensein unterschiedlicher Gravuren der Gehäuseoberseite ("Ihagee Dresden", Pentacon-/Ernemann-Turm, "aus DRESDEN" oder später der Aufdruck "DRESDEN").

 

 

 

Pentacon brachte 1977 die Exa 1b auf den Markt. Äußerlich der Ia ähnlich, erhielt dieses Modell den M42-Gewindeanschluss und die Filmrückspulkurbel der Praktica L.
Im Jahr 1982 wurden etwa 1200 Stück der Exa 1b in die Bundesrepublik exportiert.
Ab 1983 wurde die Exa-Produktion in das Certo-Kamerawerk Dresden-Zschachwitz verlagert. Dies wird an der Seriennummer mit vorangestelltem C sichtbar (etwa ab C 831000).

 

Es gibt von der Exa 1b mindestens folgende sechs Varianten:

 

  • Frontplatte verchromt, Ziffern der Seriennummer 2 mm hoch, Aufdruck “Dresden” auf der Deckkappe
  • Frontplatte verchromt, Ziffern der Seriennummer 2 mm hoch, ohne Aufdruck
  • Frontplatte verchromt, Ziffern der Seriennummer 3 mm hoch (auch Version mit Beroflex-Garantie-Siegel)
  • Frontplatte schwarz, Seriennummer ohne C
  • Frontplatte schwarz, Seriennummer mit C
  • zusätzlich schwarzes Gehäuseoberteil

 

Bei den beiden letztgenannten Varianten kann zusätzlich noch die fein geriefte Belederung der Exa 1c verwendet worden sein.

 

 

 

Das letzte Modell der Exa 1-Reihe stellt die Exa 1c dar. Im Jahr 1985 vorgestellt, durch schwarze Kunststoffgehäuseteile und Detailänderungen gekennzeichnet. Die Folge der bisherigen Seriennummern wurde nicht fortgesetzt, sondern bei C 001000 neu begonnen. 103900 Kameras verließen bis 1987 das Certo-Kamerawerk.

 

 

 

Exa II-Modellreihe

 

Wegen des großen Niveauunterschied zwischen den Exakta-Kameras und den bestehenden Exa-Varianten legte Ihagee eine dritten Kamerabaureihe auf.

 

Ab 1959 entstand so die Exa II, die im Gegensatz zur Exa einen Tuchschlitzverschluss mit Zeiten von 1/2 bis 1/250 Sekunden und einen fest eingebauten Prismensucher erhielt. Der Filmtransport erfolgte mittels Schnellspannhebel und die Belichtungszeiten wurden mit einem Rad eingestellt. Eine neuartige Verschlusskonstruktion verhinderte die für Exa typischen Abschattungen der Bildseiten bei Verwendung langbrennweitiger Objektive. Um die gesamte Öffnung des Kamerabajonetts nutzen zu können wurde der Objektivanschluss mit einem Außenbajonett versehen.

 

1963 folgte auch die Exa IIa. Die Exa II und die Exa IIa besaßen das gleiche Gehäuse mit komplett abnehmbarer Rückwand. Bei der Exa IIa war jetzt auch eine Rückspulkurbel vorhanden. Etwa ab 1964 wurden die Deckkappen mit Trageösen ausgestattet.

 

Ein Rückkehr- oder Rapidspiegel war das Merkmal der Exa IIb, die ab 1964 hergestellt wurde. In die Exakta VX 1000 wurde dieser erst ab 1967 eingebaut.

 

 

 

Durch Verbesserungen am Schlitzverschluss konnte das Nachfolgemodell Exa 500 (bzw. VX 200, Exakta 500) eine kürzeste Belichtungszeit von 1/500 s erreichen. Für Exporte kamen zeitweilig die Namensvarianten Exakta 500 oder VX 200 zur Anwendung. Diese Modelle wurden von 1966 bis 1969 in Dresden gefertigt.

 

 

 

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