Es war schon dunkel, als zwei Männer in lebhafter Unterhaltung von Kaufungen nach Oberfrohna heim wanderten. Als sie zum Malzteich gelangten verstummte plötzlich ihr Gespräch. Verwundert sahen sie einander an. "Nachher!" Sagte der mit den längeren Beinen und fasste seinen knotigen Stock derber am Griff. - bis zum den ersten Bäumen am Jahnshorn war es nicht mehr weit - ...

... "Du fürchtest dich wohl gar?" fragte der andere, der etwas kleiner und gedrungener war und der dem mächtig ausschreitenden Langen kaum nach kam. Eine Antwort bekam er aber nicht.

 

Als sie das Wäldchen hinter sich gebracht hatten, blieben sie auf halber Höhe der Straße stehen, um etwas zu verschnaufen. "Es ist nicht ganz geheuer hier" sagte der mit den langen Beinen."Vor Jahren ging mein Nachbar über seine Felder, die hier am Nixborn liegen. Er wollte der Sage vom Nix eigentlich keinen Glauben schenken, es lockte ihn aber die Sache einmal auszuprobieren: Nixmann, Nixmann, komm heraus! rief er. Dann bekam er es mit der Angst zu tun und lief davon. Er hatte den Waldrand noch nicht erreicht, als er von unsichtbarer Hand eine mächtige Ohrfeige erhielt. - Die war bestimmt vom Nixmann."

 

Da lachte der kurze Dicke. "Ich weiß noch eine viel unglaublichere Geschichte: Es ist schon lange her, da kam eines Abends ein kleines Männlein vom Nixborn herunter zur Hebamme des Dorfes, damit sie bei der Geburt eines Nixenkindes helfen sollte. Was weiter wurde habe ich vergessen. Die alte Frau aber, die mir das erzählte behauptete sie habe drei Tage lang kleine Kinderwäsche auf Büschen und Sträuchern hängen sehen."

 

"Ja, Ja" stöhnte der Lange „es soll Leute gegeben haben, die mitten im Walde nicht mehr von der Stelle kamen, oder durch Irrlichter vom Wege gelockt wurden. Einmal soll ein Fuhrmann samt seinem Fuhrwerk im Sumpf versunken sein. "He, he, helft mir!" hat er geschrien, aber das hat ihm nichts genützt. Dann und wann haben, in einsamen Nächten, andere diesen noch Hilferuf gehört. Der Nixmann hatte ihn zu sich herunter gezogen. Darum raten die Mütter ihren Kindern nicht zu nahe ans Wasser zu treten, damit der Nixmann sie nicht fassen kann."

 

Im Weitergehen meinte der Dicke: "Ich denke die Geschichte mit dem Fuhrmann hängt mit dem Natternkönig zusammen, der unter dem Nixborn wohnen soll. Er trägt ein Krönlein auf dem Kopfe. Breitet man im Gras ein weißes Tuch aus, so legt er ein Krönlein darauf. Wehe aber dem der das Kleinod entwenden will. In den selben Augenblick pfeift der Natternkönig und von allen Seiten kommen Schlangen angeringelt. Sitzt der, der die Krone haben möchte aber zu Pferde, o springen die Schlangen am Reiter empor und zerren ihn in den Sumpf. Wo er versinkt."

 

Die Nacht war vollends hereingebrochen und der Mond stand hoch am Himmel. Direkt über dem kleinen Wäldchen, dass die Alten auch Gannßhorn nannten, Es waren nur acht Gehöfte. Das letzte lag unweit der Straße. "Ich habe noch miterlebt wie Waldarbeiter beim Roden auf den gepflasterten Hof stießen", sagte der Lange. "Die Steine hat der damalige Gemeindevorstand verkauft. Damit wurde die Straße nach Kaufungen ausgebessert. Das war nur recht denn vorher kam man dort mit einem Fuhrwerk kaum durch. Kein Wunder wenn die Leute nur vom Pfützenweg redeten!"

 

Als sich die beiden in der Nähe der ersten Häuser von Oberfrohna trennten, gab der Lange dem Dicken noch einen guten Rat: "Wenn du einmal krank bist dann nimm Sanickelkraut vom Nixborn! Das heilt allen Schaden." "So ein Unsinn“ dachte der Dicke und verschwand im Dunkel der Nacht.

 

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